FSJ in Zeiten von Corona

An manchen Tagen wünscht sich Hanna Höftmann, dass die Corona-Krise bald vorbei ist. „Man möchte den Kindern hier gern mal wieder tröstend die Hand auf die Schulter legen oder ihnen durch das Haar streichen“, sagt die junge Frau. Gerade, wenn mal wieder eine Krise eintritt, Schulaufgaben zu schwer sind oder auch einfach nur so. Denn alle Kinder, die in der Gruppe betreut werden, „haben einen Rucksack zu tragen“, wie Hanna es nennt und sind in besonders intensiver Art zu betreuen. Auf unterschiedliche Art und Weise haben sie in ihrem jungen Leben Probleme. Etwa ein schwieriges Elternhaus, leichtere Formen von Autismus, Verhaltensauffälligkeiten oder andere Schwierigkeiten. Ein Kind habe etwa, so erzählt Hanna, so große soziale Ängste, dass es für sie unmöglich wäre, allein in den Supermarkt zu gehen oder mit anderen Gleichaltrigen in guten Kontakt zu kommen. „Es ist mehr als nur Schüchternheit“, sagt Hanna. In der Tagesgruppe funktioniert es mittlerweile ganz gut. „Wir sind hier eine Gemeinschaft.“  

Nach dem Abi praktische Erfahrungen sammeln  

Neun Kinder im Grundschulalter werden in der Gruppe betreut. Drei Betreuer und Hanna kümmern sich um die jungen Schützlinge. Das Jugendamt hat sie in Obhut des St. Theresienhauses gegeben, eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung der Caritas mit stationären, teilstationären und ambulanten Betreuungsangeboten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Standorten in Bremen und Osterholz-Scharmbeck. Für Hanna Höftmann stand schon länger fest, dass sie nach dem Abitur 2019 erst einmal praktische Erfahrungen sammeln wollte, bevor sie in den Beruf startet. „Es war mir zwar schon klar, dass ich später in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten will, aber ich wollte mir ganz sicher sein, bevor ich tatsächlich ein Studium beginne“, erzählt sie.  

Sie sah sich im Internet nach freien Stellen im Freiwilligendienst um, fand das Angebot des Theresienhauses und bewarb sich sofort. „Es passte einfach“, freut sie sich noch heute. Die ersten Tage bei der Arbeit gaben ihrem Gefühl dann auch recht: „Ich habe mich sofort in die Arbeit verliebt.“ Für die 20-Jährige ein großer Schritt: Denn für sie hat ein ganz neues Leben begonnen. Schulabschluss, Auszug zu Hause, die erste eigene Wohnung, erster Job. Doch sie hat den Schritt nie bereut, im Gegenteil: Sie ist sich jetzt sicher, dass sie im sozialen Bereich arbeiten will. Ab dem Herbst wird sie Soziale Arbeit in Bremen studieren. Das duale Studium ermöglicht ihr auch weiter eine Anbindung an das Theresienhaus, wo sie sich mittlerweile zu Hause fühlt, auch wenn die Arbeit nicht immer ganz einfach ist. Doch bei den erfahrenen Kollegen in der heilpädagogischen Tagesgruppe kann sie sich immer Rat holen. In der Regel kommen die Kinder nach der Schule in die Gruppe. Gemeinsam wird gekocht, Hausaufgaben gemacht und der Tag gestaltet. „Wir machen viele  

Ausflüge, Sport und gehen manchmal zusammen schwimmen“, berichtet Hanna. Trotz Einschränkungen  bleibt das gute Gruppengefühl Zurzeit ist der Ablauf allerdings wegen des Corona-Virus etwas anders. Die Gruppe ist zweigeteilt, damit sich möglichst wenig Kinder begegnen und die Außenkontakte durch Ausflüge sind eingeschränkt. Aber es klappt alles ganz gut, auch wenn das Arbeiten mit Mundschutz manchmal gewöhnungsbedürftig ist, wie Hanna mit einem Schmunzeln verrät. Doch das gute Gruppengefühl bleibt. Die Kinder fühlen sich auch in dieser schweren Zeit gut aufgehoben und kommen in der Regel gern, berichtet Hanna. Und mit den Eltern stehen die Mitarbeiter in engem Austausch, denn es gehe nicht nur darum das Kind zu stärken, sondern die ganze Familie zu unterstützen und zu stabilisieren. Hanna sagt es so: „Es ist ein fordernder, aber auch ein unheimlich erfüllender Job.“ 

Martina Albert, Artikel aus der Kirchenzeitung – Die Woche im Bistum Hildesheim Juni 2020 

Fotos: Hanna Höftmann privat 

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